20.09.2013

Kinder sind Zukunft: Chancengleichheit statt Bildungsarmut!

Lebensbedingungen und Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen verbessern

  München, 20.09.2013. Das Motto für den Weltkindertag in diesem Jahr lautet: „Chancen für Kinder“. Damit stellen die Kinderrechtsorganisationen das Recht der Kinder auf gleiche Chancen im Bildungssystem in den Mittelpunkt.



Die Freie Wohlfahrtspflege Bayern fordert anlässlich des Weltkindertags Staat und Gesellschaft dazu auf

  • das Wohl der Kinder in den Mittelpunkt zu stellen,
  • die Kinderrechte zu beachten und Kinder als eigenständige Persönlichkeiten anzuerkennen,
  • die Förderung und den Schutz junger Menschen weiter zu verbessern und 
  • junge Menschen in ihren Belangen zu hören und zu beteiligen.

Auch in Bayern besteht in vielen Bereichen noch erheblicher Handlungsbedarf! 

Noch immer haben Kinder ein deutlich höheres Risiko, unter Armutsbedingungen leben zu müssen als Erwachsene, wodurch erwiesenermaßen die gesellschaftliche Teilhabe massiv erschwert wird und die Gefahr von Ausgrenzung deutlich zunimmt. Vom Sozialministerium veröffentlichte Statistiken zeigen, dass ca. 117.000 Kinder (7% der Altersgruppe) Hartz-IV-Empfänger sind und damit in prekären und von Armut bedrohten Verhältnissen leben müssen. In Großstädten ist deren Anteil wesentlich höher, in Nürnberg sind davon ca. 20% aller Kinder betroffen. 

 

Noch immer gelingt es den institutionellen Bildungsangeboten nicht, das Scheitern einer großen Gruppe von Kindern und Jugendlichen zu verhindern. So verlassen nach wie vor ca. 5% der Schulabgänger allgemeinbildende Schulen ohne einen anerkannten Schulabschluss. Trotz eines vielfach beschworenen Mangels an Auszubildenden bleiben in Bayern nach wie vor ca. 13% der jungen Menschen ohne Ausbildungsabschluss. Besonders junge Menschen mit niedriger Qualifikation profitieren kaum von verbesserten Ausbildungsbedingungen und müssen dauerhaft in prekären Beschäftigungsverhältnissen arbeiten. 

 

Noch immer und immer wieder werden junge Menschen mit Migrationshintergrund gesellschaftlich ausgegrenzt und erhalten keinen, eingeschränkten oder erschwerten Zugang zu Leistungen, auf die sie Anspruch hätten. So verlassen fast dreimal so viele ausländische als deutsche Jugendliche bayerische Schulen ohne mindestens einen Hauptschulabschluss.

 

Noch immer entscheiden der Bildungsstand der Eltern und die soziale Herkunft über die Schullaufbahn und den Bildungserfolg ihrer Kinder. Der Ausbau von Angeboten zur Ganztagesbetreuung junger Menschen an Schulen ist ein erfolgversprechender Weg zur Verringerung von Benachteiligungen. Er ist aber nur dann zielführend und erfolgreich, wenn der Ausbau nicht nach dem Prinzip „Quantität vor Qualität“ erfolgt. 

 

Dringender und zunehmender Handlungsbedarf besteht bei der Begleitung und Versorgung minderjähriger Flüchtlinge und deren Familien. Dass Kinder in Deutschland in Massenunterkünften oder auf der Straße leben müssen, darf nicht hingenommen werden.

 

Die Freie Wohlfahrtspflege Bayern fordert eine nachhaltige Politik, die alles unternimmt, um die Lebensbedingungen junger Menschen zu verbessern, die Kinderrechte zu achten und deren Einhaltung aktiv einzufordern. Dazu müssen sozial- und arbeitsmarktpolitische Angebote entwickelt werden, die Familien stärken und jungen Menschen Möglichkeiten eröffnen, umfassend soziale Unterstützung und Entwicklungschancen zu erschließen.

 

1954 empfahl das Weltkinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNO), jeder Staat solle einen Weltkindertag abhalten. Weltweit haben zwischenzeitlich mehr als 145 Staaten einen Tag im Jahr als Kindertag, an dem die Bedürfnisse junger Menschen ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden sollen. Mit Veranstaltungen wird auf die Kinderrechte und die Lage junger Menschen hingewiesen, vielerorts wird der Tag zusammen mit Kindern gefeiert.