11.10.2018

Kinderrechte in Ankerzentren sichern.

Forderung der Freie Wohlfahrt in Bayern



München, 11.10.2018 Die Freie Wohlfahrtspflege Landesarbeitsgemeinschaft Bayern appelliert in einem Brief an Ministerpräsident Dr. Markus Söder, die Kinderrechte in Aufnahmeeinrichtungen und Ankerzentren zu sichern. Zentrale Forderungen sind u.a. das Recht auf Schutz vor Gewaltanwendung, Misshandlung, Vernachlässigung und sexuellem Missbrauch, das Recht auf Gesundheitsvorsorge und das Recht auf Bildung.

„Örtlich zuständige Jugendämter sowie Risikoanalysen (Save the Children) bestätigen, dass es in allen Massenunterkünften zu Kindesmisshandlung und –vernachlässigung, sowie zu emotionalen und sexuellen Missbrauchsfällen kommt,“ heißt es in dem Schreiben. Dies müsse aus Sicht der Verbände der Freien Wohlfahrtspflege Bayern verhindert werden. Dazu fordern sie, dass Kinderschutz-Standards in allen Konzepten der Träger von Aufnahmeeinrichtungen und Ankerzentren enthalten sind und angewendet werden.

Um das gesundheitliche Wohl der Kinder zu gewährleisten, müsse zudem der Zugang zu ärztlicher Versorgung sichergestellt werden. Außerdem wird die Verpflegung der Kinder ausschließlich in der Kantine mit nur drei Mahlzeiten am Tag statt den benötigten fünf kleineren Mahlzeiten als nicht kindgerecht kritisiert. Daher fordert die Freie Wohlfahrtspflege LAG Bayern eine Ausstattung der „Familien-Wohnungen“ mit Kühlschränken und Kochgelegenheiten.

Nachdrücklich appellieren die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege an Ministerpräsident Söder, dass der Zugang zum Regelschulsystem entsprechend der EU-Aufnahmerichtlinie nach drei Monaten erfolgen muss. Auch „für die unter sechsjährigen Kinder, die ein knappes Drittel der Asylbewerber ausmachen, gibt es keine hinreichenden Bildungs- und Betreuungsangebote.“ Staatliche Stellen haben gemäß der UN-Kinderrechtskonvention jedoch die Verpflichtung, „für den Ausbau von Institutionen, Einrichtungen und Diensten für die Betreuung von Kindern zu sorgen“.

Die in der Freien Wohlfahrtspflege Bayern zusammengeschlossenen Verbände sind die Arbeiterwohlfahrt, das Bayerische Rote Kreuz, die Caritas, das Diakonische Werk Bayern, der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden und der Paritätische Wohlfahrtsverband. In Bayern unterhalten die Wohlfahrtsverbände und ihre angeschlossenen Organisationen rund 14.500 Facheinrichtungen und Projekte im gesamten sozialen Bereich. Sie beschäftigen etwa 350.000 hauptberufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zusätzlich engagieren sich im Raum der Freien Wohlfahrtspflege Bayern etwa 250.000 Menschen ehrenamtlich – zum Beispiel in Verbandseinrichtungen oder Kirchengemeinden.