Zum Weltkindertag am 20. September: "Starke Kinder, starke Zukunft" - aber nicht mit dem Rotstift

Freie Wohlfahrtspflege warnt vor Kürzungen in der Kinder- und Jugendhilfe und fordert mehr Einsatz für Bildung, Inklusion und psychische Gesundheit

München, 18. September 2026 – Zum Weltkindertag unter dem Motto „Starke Kinder, starke Zukunft“ fordert die Freie Wohlfahrtspflege Bayern, Kinder und Jugendliche konsequent in den Mittelpunkt der Sozialpolitik zu stellen. Mit der jüngsten Kita-Reform geht der Freistaat einen wichtigen ersten Schritt zur Sicherung der Strukturen – ob sich Finanzierungsdefizite damit langfristig verringern, bleibt ungewiss. Zugleich warnt die Freie Wohlfahrtspflege: Ausgerechnet jetzt, da die psychischen Belastungen junger Menschen anhaltend hoch sind und die Bildungsergebnisse auf einem Tiefstand liegen, droht die geplante Reform der Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII) zum Sparprogramm zu werden – zulasten von Kindern, Jugendlichen und deren Familien.

Die aktuelle PISA-Studie bescheinigt Deutschland historisch niedrige Werte, und in kaum einem Land hängt der Bildungserfolg so stark von der sozialen Herkunft ab. Zugleich fühlt sich rund ein Viertel der Kinder und Jugendlichen psychisch belastet – bei gleichzeitig fehlenden Fachkräften und langen Wartezeiten auf Hilfe.

„Bildung ist ein Kinderrecht – und kein Privileg, das vom Einkommen der Eltern abhängen darf. Wenn nur zwei von hundert Kindern aus armen Familien es an die Spitze schaffen, ist das kein Schülerversagen, sondern ein Systemversagen“, betont Sven Göpel, Vorsitzender der Freien Wohlfahrtspflege Bayern. 

Besonders kritisch: Die SGB-VIII-Reform könnte individuelle Rechtsansprüche schwächen, bevor tragfähige Ersatzstrukturen finanziert sind. Unter Druck gerät vor allem die individuelle Schulbegleitung – für viele Kinder mit Beeinträchtigung die Voraussetzung, überhaupt am Unterricht teilnehmen zu können. Wird sie pauschalisiert oder abgebaut, droht diesen Kindern faktisch das Recht auf Bildung verwehrt zu werden – zulasten der Kinder und ihrer Familien, die die Betreuung dann wieder zu Hause auffangen müssen.

Konkrete Forderungen für Bayern

  1. Rechtsansprüche und Schulbegleitung sichern: Keine Kürzung individueller Hilfen vor dem Aufbau infrastruktureller Bildungsassistenz; Schulbegleitung für Kinder mit Beeinträchtigung bedarfsgerecht erhalten.
  2. Kita-Reform verlässlich weiterentwickeln: Langfristige Sicherung der Strukturen, auch unter Beachtung des demographischen Wandels. 
  3. Psychische Gesundheit stärken: Schulsozialarbeit, Jugendsozialarbeit (JaS) und niedrigschwellige Beratung ausbauen; Wartezeiten verkürzen.
  4. Bildungsgerechtigkeit priorisieren: Gezielte Förderung benachteiligter Kinder – unabhängig von Einkommen, Wohnort oder Behinderung.
  5. Reform seriös finanzieren: Transformationskosten transparent ausweisen und Kommunen fair beteiligen, damit Leistungen nicht vor den Alternativen abgebaut werden.

„Ein Kind mit Behinderung, das ohne Begleitung nicht mehr zur Schule gehen kann, wird um sein Recht auf Bildung gebracht. Das darf in Bayern nicht passieren“, mahnt Göpel.

 

In der Freien Wohlfahrtspflege Bayern sind das Bayerisches Rotes Kreuz, die Arbeiterwohlfahrt Bayern, der Landes-Caritasverband Bayern, die Diakonie Bayern, der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern und der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern organisiert. Gemeinsam erbringen die Verbände rund 75% aller sozialen Dienstleistungen in Bayern. Als Verband unterstützt die Freie Wohlfahrtspflege Bayern ihre Mitglieder durch Koordination und Absprachen bei der Realisierung von Zielen, mit denen sie ihren Beitrag dazu leisten, Bayern sozial zu gestalten.